Presseschau „Nazi-Codes“

Rheinpfalz vom 16.03.12

Mannheimer Morgen vom 26.03.12

Hintergrund – „Schöner leben ohne Nazis“ am 21. April 2012

Die Kampagne

Wir, das Bündnis Ladenschluss, führen in diesem Frühjahr eine Kampagne gegen die Nazistrukturen und aktuellen Umtriebe der Rechtsextremen, speziell in Ludwigshafen, durch. Das Bündnis Ladenschluss hat sich 2008 gegründet, um gegen das Ladengeschäft „Streetwear Company“ des Ludwigshafener Neonazis Malte Redeker vorzugehen – mit Erfolg, Redeker musste 2009 schließen. Weiterhin hat das Bündnis bei zwei weiteren Ladengeschäften in Ludwigshafen darauf hingewirkt, dass der Verkauf von rechter Szenekleidung eingestellt wurde. Trotz dieser Erfolge im Kampf gegen den Rechts ist die Nazi-Szene in Ludwigshafen und Umgebung jedoch weiter existent. Wir halten es daher weiterhin für wichtig, über die hier vorhandenen Neonazistrukturen zu informieren, das Erinnern an deren Taten und Opfer aufrecht zu erhalten und gegen die Nazi-Szene aktiv zu werden.

Kontakte der Rechtsextremen zum Rechtsterrorismus

Die Taten der rechten Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) aus Zwickau sind zwar noch im kollektiven Gedächtnis und den Medien präsent, erscheinen dem_der Einzelnen jedoch weit weg und ohne jeglichen Bezug zur Rhein-Neckar-Region oder zu Ludwigshafen. Und doch hatten Neonazi-Strukturen und Einzelpersonen aus der Metropolregion Kontakte zum NSU-Umfeld. Hier ist insbesondere das Aktionsbüro Rhein-Neckar um Malte Redeker und Matthias Herrmann, der selbst ursprünglich aus Jena stammt, zu nennen. So programmierte Ralf Wohlleben, der zurzeit wegen Unterstützung der NSU in U-Haft sitzt, die Homepage des Aktionsbüros. Auch Thomas Gerlach, der zu den NSU-Unterstützern zählt, pflegte Kontakt zu den Nazi-Kadern aus Ludwigshafen und Umgebung.

Aktionen der Nazis vor Ort

Die Nazi-Szene in Ludwigshafen und Umland macht seit Jahren durch Propagandaaktionen, Demonstrationen und gewalttätige Übergriffe von sich reden. Exemplarisch möchten wir drei Vorfälle nennen:
- Im November 2008 griffen 30 gewaltbereite Nazis eine antifaschistische Vortragsveranstaltung des Bündnis Ladenschluss an der Fachhochschule Ludwigshafen an. Sie versuchten die Scheiben einzuwerfen und Besucher körperlich anzugreifen. Die Veranstaltung war Auftakt einer Reihe zur Information der Ludwigshafener Bevölkerung über die lokale Nazi-Szene und ihre Läden.
- Im Januar 2009 überfielen über 50 vermummte Nazis einen linken Bekleidungsladen in Mannheim. Bei dem Nazi-Angriff auf den Laden kamen u.a. Baseballschläger zum Einsatz, mehrere Scheiben, die Ware und die Inneneinrichtung wurden zerstört. Nur knapp konnte ein Mitarbeiter entkommen und kam mit leichten Blessuren und einem Schock davon. Kurz darauf wurden 17 flüchtende Nazis von der Polizei gestoppt und kontrolliert. Ermittelt wurde wegen „schwerem Landfriedensbruch“. Ein halbes Jahr später wurde das Verfahren gegen alle Beschuldigten eingestellt. Dieser Überfall kann eindeutig als Reaktion auf eine zeitgleich stattfindende Demonstration gegen die Nazi-Strukturen und ihre Läden in Ludwigshafen gewertet werden.
- Zur Verfälschung der Geschichte des Zweiten Weltkriegs führten die Nazis im Januar und Februar diesen Jahres Kundgebungen und Demonstrationen in Ludwigshafen, Frankenthal und Worms durch. Zu den Kundgebungen im Januar erschienen nur 20, zur Demo im Februar 150 Neonazis.

Die lokale Nazi-Szene – ein kleiner Ausschnitt

Auch ist Ludwigshafen der Wohnort einiger Kader der bundesweiten Nazi-Szene. Insbesondere ist hier Malte Redeker zu nennen. Er ist eine der führenden Personen im deutschen und europaweiten Geschäft mit Nazi-Musik, daneben ist er maßan der Organisation von Konzerten rechtsextremer Bands beteiligt. Die Konzerte dienen u.a. als Rekrutierungsfeld, hier werden vor allem Jugendliche über die Musik angesprochen, politisiert und an die rechte Szene herangeführt. Des Weiteren ist Redeker einer der bundesweit führenden Aktivisten der weltweit operierenden rassistischen „Hammerskins“. Ebenfalls ein Ludwigshafener Phänomen ist das Label „LuNaRa“, welches für „Ludwigshafener Nazis und Rassisten“ steht, einer Nazi-Clique um Dierck Wagner. Deren grafisch und inhaltlich wenig ansprechende Schmierereien dürften schon dem einen oder anderen aufmerksamen Spaziergänger im Stadtbild aufgefallen sein. Auch wenn dieses Label nicht den Organisationsgrad wie andere Nazi-Gruppierungen hat, macht es doch die in der Öffentlichkeit wahrnehmbare Präsenz dieser Subkultur deutlich.

Antifaschistische Gegenaktivitäten

Wir wollen das Interesse wieder auf die Aktivitäten aus dem rechten Spektrum lenken und daran erinnern, dass es auch direkt vor der Haustür Nazi-Strukturen und Akteure gibt und das „Naziproblem“ nicht nur eine Erscheinung aus den neuen Bundesländern ist und auch kein „brauner Spuk“, wie bei vielen Anti-Nazi-Protesten beschworen, der irgendwann vorübergeht, sondern ein Problem das hier und jetzt akut ist, sich in der Gesellschaft festsetzt und sich weiter ausbreitet, wenn ihm nicht konsequent Einhalt geboten wird. Wir können uns nicht auf die so genannte Bekämpfung des Rechtsextremismus von Seiten staatlicher Organe verlassen. Wie aktuell zu sehen ist, schaffen sie es nicht, den rechten Umtrieben einen Riegel vorzuschieben – im Gegenteil. Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie sich Rechtsextreme in allen gesellschaftlichen Bereichen breitmachen. Um die Nazis an die Öffentlichkeit zu zerren, ihre Machenschaften zu thematisieren und so gegen die Nazi-Strukturen vorzugehen, werden wir in Ludwigshafen diese Kampagne durchführen.

Wir, das Bündnis Ladenschluss Ludwigshafen haben uns im Oktober 2008 gegründet, um gegen das Erstarken der regionalen Naziszene vorzugehen.
Das Bündnis Ladenschluss hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Pressearbeit und Informationsveranstaltungen über die rechte Szene und ihre Strukturen zu informieren. Zudem sollen öffentlichkeitswirksame Aktionen durchgeführt und politischer Druck aufgebaut werden. Unsere Ziele waren und sind neben der Schaffung einer breiten antifaschistischen Öffentlichkeit vor allem die Schließung der Naziläden und das Zurückdrängen der Naziszene in der Stadt. Die Schließung der beiden Läden ist uns bereits erfolgreich gelungen.

Schöner leben ohne Nazis

Hier sind die wichtisgten Termine der Kampagne „Schöner leben ohne Nazis“:

11.04.2012, Vortrag: „Die Nazi-Szene in Ludwigshafen und Umgebung“, 19 Uhr, kurdischer Kulturverein, Ludwigshafen
21.04.2012, Demo: „Schöner leben ohne Nazis“, 13 Uhr Rathauscenter, Ludwigshafen
26.04.2012, Vortrag: „Rechtsrock – Subkultur und Business“, 19 Uhr, das Haus (Café Dome), Ludwigshafen

Termine vormerken und dabei sein!

Ladenschluss die Zweite: Streetwear Company geschlossen

Nachdem der Thor-Steinar-Shop „Thugs“ bereits im März 2009 schließen musste, folgte im September der für die rechte Szene weit bedeutendere Laden „Streetwear Company“. Der von Hammerskin Malte Redeker betriebene Laden versorgte die regionale Naziszene seit 2008 mit Kleidung, Musik und Propaganda.
In einem Artikel der Zeitung Rheinpfalz Anfang September wurde über die Schließung berichtet. Wie es dazu kam, blieb der Öffentlichkeit jedoch verborgen. Eine Kündigung war zu diesem Zeitpunkt vertraglich nicht möglich und die rechte Szene hatte angekündigt, den Laden nicht freiwillig räumen zu wollen. Ob es Vermittlungen durch offizielle Stellen, Absprachen oder finanzielle Angebote an Redeker gab, ist bislang nicht bekannt.
Der antifaschistische Druck, den das Bündnis Ladenschluss in der Stadt aufbaute, dürfte in jedem Fall seinen Teil zur Schließung beigetragen haben. Sich jetzt auszuruhen, wäre jedoch eine falsche Einschätzung der Situation in Ludwigshafen. Noch immer ist die Naziszene aktiv und macht zur Zeit mit Drohungen und Anschlägen gegen NazigegnerInnen auf sich aufmerksam.

Protest gegen regelmäßige Nazi-Partys in Ludwigshafen

Keine Kneipen für Nazis!
Info-Flugblatt „Keine Kneipen für Nazis!“

Pressemitteilung des Bündnis Ladenschluss vom 31.08.2009

Seit 2002 finden in Ludwigshafen und im Rhein-Pfalz-Kreis sogenannte „Onkelz-Partys“ statt, die sich zum Rekrutierungsfeld der organisierten Naziszene entwickelt haben. Die Partys wurden mehrmals in den Ludwigshafener Kneipen „Bierstube“ und „Bon Scott“ sowie einmal im „Washot“ veranstaltet. Das antifaschistische Bündnis Ladenschluss kündigt Proteste gegen diese Feiern an.

Die Veranstaltergruppe „MP5“ organisiert die „Onkelz-Partys“ seit 2002 im Rhein-Pfalz-Kreis und seit 2005 in Ludwigshafen. Sie stellen diese Partys als unpolitische Freizeitgestaltung dar, tatsächlich haben sie sich zu einem Treffpunkt der organisierten Naziszene entwickelt. Kader des Kameradschaftsnetzwerkes „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ und der NPD zählen zu den Stammgästen. Die Gäste tragen Kleidung mit Markenlabels und Codes wie „Thor Steinar“, „Masterace“ („Herrenrasse“) oder „H8 Society“ (H8 steht für „Heil Hitler“). Daneben besuchen viele Jugendliche die Veranstaltungen und kommen so in direkten Kontakt mit der rechten Szene.

Die Kneipen und das unmittelbare Umfeld werden während den Partys zu einem Angstraum für MigrantInnen und andere Personen, die nicht in das Weltbild der Nazis passen. Es wurde von Augenzeugen mehrfach berichtet, dass Hetzparolen gegrölt, PassantInnen angepöbelt und von den Veranstaltungen aus direkt angegriffen wurden.

Neben dem Naziladen „Streetwear Company“ in der Halbergstraße stellen die Kneipen wichtige Treffpunkte und Rekrutierungsfelder der Ludwigshafener Nazis dar.

„Die Onkelz-Partys sind keinesfalls unpolitisch und öffentlich, wie die Veranstalter behaupten. Es werden hier nicht nur Nazis akzeptiert – die Veranstaltungen haben sich zu regelrechten Nazi-Treffen entwickelt. Viele Jugendliche werden hier politisiert. Es ist skandalös, dass solche Veranstaltungen regelmäßig in Ludwigshafener Kneipen stattfinden können“ kommentiert eine Sprecherin des Bündnis Ladenschluss. „Wenn die Veranstaltergruppe MP5 und die BetreiberInnen der Kneipen behaupten, es handele sich um unpolitische Veranstaltungen, ist dies lediglich ein Versuch, öffentliches Aufsehen zu vermeiden. Die BetreiberInnen tragen Verantwortung für das, was in ihren Räumen geschieht!“

Das Bündnis Ladenschluss fordert ein Ende der „Onkelz-Partys“ und plant Proteste gegen die Veranstaltungen und Kneipen. Zu diesem Zweck wurden die AnwohnerInnen der Kneipen „Bierstube“, „Bon Scott“ und „Washot“ mit Anschreiben und Informationsflugblättern aufgeklärt. Ein Protestschreiben ging an die Gewerbeaufsicht, die Stadtverwaltung, die IHK und weitere zuständige Stellen sowie an Ludwigshafener Parteien und Organisationen der Zivilgesellschaft.

Erster Erfolg gegen Nazi-Läden: „Thugs“ geschlossen – „Streetwear Company“ besteht jedoch weiter

Thugs geschlossen!

Aufgrund des politischen Drucks durch die antifaschistische Arbeit des Bündnis Ladenschluss Ludwigshafen hat der Vermieter dem Betreiber des Nazi-Ladens „Thugs“ in Ludwigshafen-Friesenheim bereits zum 1. März 2009 gekündigt. Der Laden ist seitdem geschlossen!

Eine Kündigung des Mietvertrags des Nazi-Ladens „Streetwear Company“ in Ludwigshafen-Süd ist vorerst aus formalen Gründen gescheitert. Der Mietvertrag läuft weiter bis 2010. Das vom Nazi-Aktivisten Malte Redeker (Aktionsbüro Rhein-Neckar, Hammerskins) betriebene Geschäft besteht damit weiterhin und ist nach wie vor geöffnet.
Der Vermieter der Räumlichkeiten hat gegenwärtig offenbar keine erkennbaren Interessen, den braunen Laden und seinen Inhaber loszuwerden.
Das Bündnis Ladenschluss wird sich aus diesem Grund weiter mit „Streetwear Company“ befassen.

Die Stadt Ludwigshafen hat mittlerweile verlauten lassen, dass in Bezug auf den Nazi-Laden „Streetwear Company“ „etwas unternommen wird“. Das Geschäft soll laut dieser Aussagen noch 2009 weg sein.
Was von den Ankündigungen der Stadt zu halten ist, werden wir sehr genau beobachten und gegebenenfalls kommentieren.

Presseschau aktualisiert

Unter der Rubrik „Presse“ findet sich eine aktualisierte Übersicht mit vielen Artikeln, Beiträgen und Veröffentlichungen im Rahmen der Kampagne.
Zur Presseschau

Erfolgreiche Demonstration gegen Nazi-Läden in Ludwigshafen

Ladenschluss!
Etwa 1000 Menschen nahmen heute am 17. Januar an der Bündnisdemonstration „Ladenschluss – Kein shopping für Nazis!“ teil. Wir konnten ein starkes Zeichen gegen die Nazi-Läden in Ludwigshafen setzen. Die Polizei provozierte mit einem Großaufgebot und zahlreichen Schikanen, wie Vorkontrollen und dem Filmen der TeilnehmerInnen. Die DemonstrantInnen konnten ihr Anliegen aber bis zuletzt durchsetzen und zogen mit Parolen, Flugblättern, Transparenten und Fahnen von LU-Mitte nach LU-Süd. Vor der Demonstration kam es zu einem bewaffneten Angriff von etwa 50 Nazis auf ein Mannheimer Geschäft. Offenbar wollten Nazis AntifaschistInnen einschüchtern. Ausführliche Berichte gibt es u.a. bei indymedia.
Pressemitteilung des Bündnis Ladenschluss
Pressemitteilung der Antifaschistischen Initiative Heidelberg
Ladenschluss Ludwigshafen: 1000 gegen Nazis
Nazis überfallen Geschäft in Mannheim
Presseübersicht

Ladenschluss-Veranstaltung zur NPD am 14. Januar

Kurz vor der Demonstration gibt es am Mittwoch, den 14. Januar eine weitere Veranstaltung der Informationsreihe des Bündnis Ladenschluss. Wir konnten den Journalisten und Experten für Rechtsextremismus Robert Andreasch für einen Vortrag zum Thema „Die NPD“ gewinnen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich über die antifaschistische Demonstration und die Arbeit des Bündnis Ladenschluss zu informieren. Wie immer haben Personen, die wir der rechtsextremen Szene zuordnen, keinen Einlass. Beginn der Veranstaltung ist 20 Uhr, Veranstaltungsort die Räume von ver.di in der Kaiser-Wilhelm-Str. 7 in Ludwigshafen-Mitte (nähe Fachhochschule).
Einladung zur Veranstaltung (PDF)

Infos zur Demo

Die große Demonstration gegen Nazis und ihre Läden in Ludwigshafen rückt näher. Unter der Rubrik „Demo“ findet ihr viele Infos zum 17. Januar.
Zur Rubrik „Demo“
Die Ordnungsbehörden der Stadt Ludwigshafen haben für die Demonstration massive Auflagen und Einschnitte in das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit angedroht. Der AK Antifa Mannheim hat dazu eine Pressemitteilung verfasst.
Pressemitteilung des AK Antifa Mannheim (PDF)